6 Bilder: Die Große Passion von Albrecht Dürer in Farbe umgesetzt!

Christus am Ölberg
Christus am Ölberg
Gefangennahme
Gefangennahme
Verhöhnung
Verhöhnung
Kreuztragung
Kreuztragung
Geißelung
Geißelung
Kreuzigung
Kreuzigung

Das Abendmahl

Gedanken zum Abendmahl

Es liegt mir fern religiöses Gedankengut auf einen allgemein gültigen Nenner zu bringen. Der Bildinhalt soll eher dem Betrachter ein Gefühl geben, sich als ein Suchender zu fühlen, ja man sollte sich einlassen und seinen Weg im Bild erkennen. Das ist mein Verständnis von Religion. Dies habe ich im Mittelbild Abendmahl versucht zu verarbeiten. Es steht in der Tradition des Manierismus, aber es fehlen hier im Gegensatz zu Leonardos Abendmahl die Jüngen.

Leonardos Abendmahl hat sich in das kollektive Gedächtnis der westlichen Kulturen eingeschrieben, weil es das Abendmahl aus dem Neuen Testament abbildet. Der Moment des Verrats - Jesus sagt: "Doch siehe die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch" wird von Leonardo abgebildet. Sie Situation hätte genauso aussehen können, ja sie hat sich wahrscheinlich auch genau so abgespielt. Doch genau dies war nicht die Intension, die hinter meinem Abendmahl steht. Wir befinden uns ja in einer Zeit der Kirchenaustritte und Kirchenbauten werden zu Ausstellungshallen oder gar zu Diskotheken umgebaut. Die kirchlichen Gemeinschaften sind zum Teil in Auflösung. Die Suche nach einem Sinn im Leben erfolgt in der Abgeschiedenheit. Es ist Christus der uns allein gegenüber tritt und nicht in der Gemeinschaft seiner Jünger wie uns das Neue Testament es überliefert hat. Wir sind vielleicht auch der verlorene Sohn, der seinem Jesus gegenüber tritt. Das, was wir hier sehen erzählt keine Geschichte, es ist eher als Stillleben konzipiert. Es geht eine außerordentliche Ruhe vom Bild aus, als ob es als Grundlage zum Meditieren gemalt ist. Es ist nicht das Schauspiel des Abendmahls abgebildet, sondern zielt eher auf eine kontemplative Wirkung im Bild.

Obwohl der Himmel durch die Wolken und die untergehende Sonne etwas Dramatisches hat, wirkt es dennoch beruhigend.

Hier stehe ich nun in der Tradition von Perugino, dessen Landschaften in figurativen Bildern Kontemplation suggerieren. Es macht sich eine angenehme Stille im Bild breit. Die Ruhe wird auch noch durch die Weite der Landschaft hervorgerufen. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass eine weite Ebene von Weinbergen vor dem Horizont eingegrenzt wird. Die Assoziation um die Symbolkraft der Weinberge und Jesus kann einem bei näherer Betrachtung gar nicht entgehen. Das Hereinbrechen der Nacht übersteigert die Einsamkeit des Betrachters. Es ist höchste Zeit eine Entscheidung zu treffen. Durch den die ganze Breite des Bildes ausfüllenden Tisch ergibt sich eine gewisse Distanz zu Jesus, der dadurch deutlich aus der Landschaft heraustritt. Ist man nun dicht genug am Bild, erschließen sich einem Ellipsen und Kugeln die an physikalischen Darstellungen an Atome erinnern. Jesus ist atomisiert, ist allgegenwärtig, ist göttlich, ist Energie. Er ist hier nicht Mensch wie er uns durchs Neue Testament verkündet wird, sondern er erscheint uns göttlich. Die ganze Passion ist schon vollbracht. Er ist für uns als göttlicher Erlöser dargestellt. Nun stellte sich mir die Frage: Wer sollte nun als Portrait herhalten? Es gibt genügend Beispiele  in der Kunst, wie Jesus aussehen soll - wie er auszusehen hat. Ich habe damit ein großes Problem und hielt mich an Albrecht Dürer. Sein Selbstportrait mit Pelz, das vor geraumer Zeit für viel Aufregeung sorgte, hat er selber einmal als etwas Göttliches bezeichnet. Albrecht Dürer  war der Ansicht, er als Künstler versinnbildlicht das Ebenbild Gottes auf Erden, weil seine Kunst göttliche Eingebung ist. Welche Bedeutungsebene nun der Teppich erzeugen soll, dies überlasse ich nun der Fantasie des Betrachters. Auch da zurückgeschlagene Tischtuch steht in einem gewissen Kontext zur Bilderfindung. Es ist nicht einfach für einen Künstler, dies alles was er bildnerisch auszudrücken im Stande ist, sprachlich zu formulieren. Es kann zu Irritationen beim Kunstinteressierten kommen. Nicht der Künstler allein hat Recht beim Interpretieren des Kunstwerks, wenn es eines ist. Die Deutungen des Betrachters machen einen ganz erheblichen Wert eines Bildes aus.